XM – Fahrer & ihre Autos

 

In dieser Ausgabe der XM – Porträtreihe stellt sich Claus Kügler vor. Der Gelsenkirchener, der 17 Jahre lang im thüringischen Eichsfeld lebte, betreibt einen Handel mit Kupplungen für diverse Autos alter und neuer Generationen sowie verschiedenen Nutzfahrzeugen. Bei unserem Treffen hat mir Claus die verschiedenen Kupplungstypen, deren Funktionsweise und auch Prüfeinrichtungen sehr gut und ausführlich erklärt.

Aber natürlich kam das Porträt dabei nicht zu kurz. Claus berichtet darin nicht nur von seinen beiden XM, sondern auch von den vielen Erlebnissen mit seinen früheren Fahrzeugen. Und trotzdem er einige Male „fremdgegangen“ ist führte die automobile Karriere immer wieder zu Citroen.

 

XM vor der Arena auf Schalke

 
 

 

 

„Der C-Virus und seine Folgen.“

 

„Als die DS 1954 im „Westen“ der Öffentlichkeit vorgestellt wurde war es so eine Sensation, dass sogar der „Deutsche Straßenverkehr“, eine Zeitschrift der damaligen „DDR“ einen Artikel von der DS mit Bild und technischen Daten veröffentlichte. Das muss der Zeitpunkt gewesen sein, in dem ich als Jugendlicher Autonarr von dem Citroen-Virus befallen wurde. Für einen jungen Menschen, der mitten in der Lehre als „Mechaniker im Apparatebau“ war, musste schon ein Motorrad ein Wunschtraum sein. Ein eigenes Auto? Unvorstellbar!! Privat  gab es zu dieser Zeit nur „Vorkriegsfahrzeuge“ wie DKW F7, Opel P4, usw. Ein Auto wie der Citroen DS kam mir da natürlich vor wie ein Objekt von einem anderen Stern! Aber manchmal werden auch die Sterne zum Greifen nahe.

Im „Westen“ angekommen folgte nach „P70“ und „Wartburg 311“,  1967 der erste Citroen, ein gebrauchter ID19 Bj. 62, für die damals noch stolze Summe von DM 2.200.--. Es folgten wechselreiche Jahre mit verschiedensten Fahrzeugen wie 2x ID19 Bj. 65/66, zum Anfang des Studiums DKW Junior, VW Käfer wenn auch nur kurz sowie Renault R16TL. Die „Käfer“ hatte ich nur in Zahlung genommen und schnell wieder veräußert. Ich bevorzugte Fahrzeuge mit Frontantrieb!

 

Mein erstes neues Auto, ein CX 2200,  kaufte ich 1975 von einem Importeur in Saarbrücken und hab ihn auch selbst abgeholt. 1980 folgte dann ein CX Pallas IE Automatic. (lt. Rechnung mit NGT-Rabatt DM 26.460,--)    Optisch war der brillantblaue CX 2400 IE in Pallas-Ausstattung ein sehr schönes Auto aber auch der Unzuverlässigste. In sechs Jahren und 163tsd. Km. musste ich 5x abgeschleppt werden!

 
 

Claus vor 12 Jahren mit dem CX 2200 und heute mit seinem XM Turbo Diesel

 
 

 


Ich war das Auto restlos leid und ich brauchte ein neues Auto, nein bloß keinen Citroen mehr!!!  Ich wollte wieder ein zuverlässiges Auto und gab den CX Pallas  für einen neuen Mitsubishi Galant in Zahlung.

 

Da meine Frau nur Automatic fährt, sollte es natürlich einer mit einem Automaticgetriebe sein. Der gewählte Galant 2400 war komplett ausgestattet und der Motor, ein langhubiger 4-Zylinder war sehr laufruhig. Das hohe Drehmoment glich die bescheidene Höchstleistung von 112 PS im Fahrbetrieb völlig aus, so dass das Getriebe sehr lang übersetzt werden konnte. Aber das Getriebe war offensichtlich diesem Drehmoment und der Leistungsabforderung auf deutschen Straßen nicht gewachsen. Nach gut drei Jahren und 110 tsd. Kilometern bekam er in Berlin das 6. (sechste!) Getriebe, aber auf Garantie!!, ersetzt. Der einzige Mangel an diesem Fahrzeug war das Getriebe, aber was nutzte es, ich brauchte ein zuverlässiges Fahrzeug.

 

Nach dieser „Reisschüssel“ kam dann 1990 ein VW Passat Variant 2,0 mit Automatic den ich als Firmenfahrzeug kaufte. Ein solides Fahrzeug, aber mit 90 PS und Automatic nicht gerade ein Renner.

 

Dass ich den Citroen-Virus immer noch in mir hatte, lag auch daran, dass ich meinen alten CX 2200 inzwischen wieder in einen 1A-Zustand versetzt hatte.  Diesen CX 2200 hatte ich bei Anschaffung des Nachfolgers (CX Pallas IE Automatic), an einen Mitarbeiter abgegeben, aber nach einem halben Jahr wieder zurück genommen als das Getriebe einen Schaden hatte. So verbrachte er einige Monate in einer Garage auf dem Firmengelände. Als der CX-Break meines Bruders einen kapitalen Motorschaden hatte und er das Auto leid war, kam die Stunde der Wiederauferstehung für den CX 2200. Für kleines Geld kaufte ich meinem Bruder den Break ab. Das Getriebe passte genau in den CX 2200. Nachdem die ganze Mechanik wieder funktionierte bekam er 1985 noch eine Ganzlackierung in der Originalfarbe „Silbersand“ (wie auf dem ersten CX-Prospekt von 1974)

 

Mit der Wende in Deutschland 1989/90 begannen auch für mich ereignisreiche Jahre. Als Mitgesellschafter und Geschäftsführer der Fa. NOVA-Kupplung GmbH, ein Betrieb der sich mit der Aufarbeitung von Austauschkupplungen befasst, war ich stets auf der Suche nach Kunden und auch Kooperationen. So entstanden auch Verbindungen mit Betrieben in den „neuen Ländern“. 1992 folgte zusammen mit türkischen Partnern der Aufbau eines Regenerierbetriebes in Ankara (TR)

1994 bin ich dann mit dem CX 2200 nach Ankara in die Türkei gefahren. Den Wagen wollte ich dort in unserer Firma als mein Geschäftsfahrzeug nutzen. Aber an eine Einfuhr eines PKW in dieses Land war nicht zu denken. Jedes Mal, wenn ich das Land verließ, musste der Wagen beim Zoll abgegeben werden und kostete pro Tag 8,-$ (ja Dollar!) Standgebühr. Wohlgemerkt der Wagen war inzwischen 19 Jahre alt. Als ich irgendwann vom türkischen Zoll, der Polizei und den Behörden die „Nase voll“ hatte, habe ich das Fahrzeug einfach beim Zoll stehen lassen. Später ist er dann dort für umgerechnet ca. 6.000,-- DM  versteigert worden.

 

Nun zurück zum Jahr 1991, ich fuhr in Deutschland noch VW Passat Variant. Aber da war ja auch noch der C-Virus!  Mein ehemaliger Citroen-Händler in Essen hatte Ende 1991 den ersten XM Turbo D12 mit Automatic als Geschäftswagen zugelassen, und mir zu einem Test überlassen.

 

Ich war von dem Auto so begeistert, dass sich der Händler gleich einen neuen Vorführwagen bestellen musste und ich so zu meinem ersten Diesel-PKW kam.

Mitte März 1992 war es dann soweit. Der XM Turbo D12 Tecnic in der Farbe „operarot“ stand in meiner Garage. Mit der Zusatzausstattung wie Automatic-Getriebe, Klimaanlage, Leichtmetallfelgen, Radio und Tempomat hatte das Auto einen Listenpreis von DM 59.650,-- ohne Überführung! Die 5 Monate und knapp 5tsd. Kilometer auf dem Tacho brachten mir bei dem Kauf eine Ersparnis von ca. 15.000,-- DM, so dass der Wagen für 45.000,-- DM den Besitzer wechselte.

der erste XM

 
   


Der Wagen fuhr dann auch zu meiner vollsten Zufriedenheit bis 1997 der erste Ausfall kam. In Thüringen wollte er morgens bei –15 Grad nicht mehr anspringen, obwohl der Anlasser gute Arbeit leistete. Mit Benzin im Ansaugtrakt wurde er dann zum Leben erweckt und die Heimreise kein Problem.

Die Diagnose der Werkstatt war eindeutig, alle Glühkerzen sind defekt. Offensichtlich ist im Laufe der Zeit eine Kerze nach der anderen ausgefallen was aufgrund der guten Starteigenschaften nicht besonders aufgefallen war. Nach 6 Jahren und ca. 150tsd. Kilometern sollte man also schon mal die Glühkerzen überprüfen!

 

Bis dahin waren an dem Auto im Rahmen der Inspektionen noch folgende Teile gewechselt worden:

Bei 30tsd. Km. Die Tachowelle und bei 62tsd.Km. zwei Federkugeln vorn und beide Spurstangen.

Bei ca. 145tsd. Km. Kamen außer den normalen Verschleißteilen noch folgende Reparaturen hinzu: Druckspeicher ersetzen und Motorunterschutz erneuern. (Rechnung über DM 835,--)  Dann folgten in Abständen neue Stabilisator-Gestänge vorn, der Endschalldämpfer. Im achten Jahr, der Kilometerzähler stand kurz vor 170.000,  wurde das Modul der Gebläseregelung erneuert, die Klimaanlage neu befüllt und 4 Federkugeln gewechselt.

Die Rechnung für die 180.000 Km Durchsicht fiel mit 179,-- DM dann wieder moderater aus.

 

Anfang 1999 habe ich mich dann von dem Fahrzeug getrennt. Nach einem unverschuldeten Unfall auf einer Landstraße mit einem menschlichen Opfer, wollte ich mit dem Wagen nicht mehr fahren!

 

Ich bestellte mir darauf hin das gleiche Fahrzeug mit der gleichen Ausstattung als Neufahrzeug. Als Farbe wählte ich allerdings ein dunkles Blau (Mauritius-blau), welches meine Frau ausgesucht hatte.

der zweite XM

 
 

 


Im April kam dann der XM als Leasing-Fahrzeug wie bestellt. Ich dachte vorher, ich würde in das gleiche Fahrzeug steigen wie in den Vorgänger (Y3). Ich war dann doch sehr überrascht als ich die Unterschiede bemerkte, und die waren nicht alle positiv.

 

Zunächst stellte ich fest, dass der Wagen ca. 100 Kg. schwerer als der Vorgänger war, bei gleicher Ausstattung!  Gut, der zusätzliche Seitenaufprallschutz und Airbag ist nicht umsonst zu haben. Warum aber die Räder mit 205er Reifen bestückt sein mussten (Y3 195er) war mir nicht klar. Daß die Übersetzung aber wesentlich kürzer war, hat mich doch etwas gestört. Gerade auf langen Strecken machte sich dies durch ein höheres Drehzahlniveau bemerkbar. Auch der Kraftstoffverbrauch mit ca. 8,5 Litern Diesel, lag um ca. 0,5 Liter über dem des Vorgängers. In dieser Beziehung also kein Fortschritt!

 

der Innenraum des Y4

 
 

 


Nach Ablauf des Leasingvertrages wollte ich mich von dem XM nun doch nicht trennen. Der C5 war auf den Straßen schon keine Seltenheit, aber so richtig wollte er mich noch nicht überzeugen. Die Karosse wirkte auf mich  wie ein Massenprodukt aus „Fernost“!

Als ich dann aber mal den C5 2,2 HDi mit Automatic zur Probe gefahren hatte, war ich doch von der Leistungsfähigkeit und der Laufruhe angetan. Also, doch einen bestellen? Nein, ich wartete bis ich bei meinem Händler ein entsprechendes Fahrzeug im Laden sah, eine "C5 Limousine" (D-4HX), 2,2 HDi Automatic" in Exclusive-Ausstattung, und unterschrieb einen Leasingvertrag über 3 Jahre. Meinen XM aber schickte ich für diese Zeit in den „Winterschlaf“

 

Tschüs...bis zum nächsten Mal

 
 

 


Die drei Jahre waren schnell um und so habe ich mich, vor drei Monaten, von dem "C5 getrennt. (Siehe Bericht in der ACCZ 4/2006)

Nun fahre ich wieder XM und ich stelle fest, irgendwie gemütlicher. Sicher, ein bisschen lauter und im Rückspiegel eine Rauchwolke beim Beschleunigen, dafür aber keine 450,--EUR Leasingkosten im Monat. Na ja, mal warten wie lange!?“

 

Text: Tim Helmes (Einleitung), Claus Kügler (Hauptteil), September 2007

Bilder: Claus Kügler (privat), Tim Helmes

 

weitere Bilder von Claus sind in der XM-IG Fotogalerie zu finden