XM – Fahrer & ihre Autos

 

In der ACZ 6/07 hat Gabi Okner bereits von der Edelstahlauspuffanlage an ihrem XM erzählt. Als Ergänzung zu der letzten 11. Porträtfolge berichtet Gabi nun, wie sie zum XM überhaupt gekommen ist. Eine schöne, emotionale Geschichte mit dem Titel

 

Une histoire d'amour Verliebt in einen XM

Vor mittlerweile 17 Jahren fuhr ich etwas gedankenverloren in meinem ersten Auto, einem 78er G-Speciale zu meiner Lehrstelle. Auf dem Weg stand ein Plakat -  riesengroß - an der Straßenseite. "Citroën XM - Auto des Jahres 1990" stand da sehr bescheiden und überzeugend. Ein dunkles Modell war abgebildet und schien auf mich herabzublicken. Bohh!!

Was für ein Auto! In den 90ern eine hervorstechende, recht kantige Linienführung an einem Auto zu sehen war schon etwas Besonderes. Und trotzdem musste die pfeilförmige Karosse einen ähnlich kleinen Cw-Wert haben wie der GS. Doch war er von einem GS weit entfernt.
Der größte von Citroën, eine Luxuslimousine - und ich ein Azubi im Gastronomiegewerbe mitchronischer Geldnot. Aber träumen ist doch wohl erlaubt!
1992, ACC-Treffen in Altötting. Dort standen sie, die neuen Citroën-Modelle. Natürlich auch der XM. Präsentiert von Citroën-Autohaus-Mitarbeitern in Businesskleidung. Ein dunkler XM mit schwarzer Lederausstattung. Brrrr. Bloß kein Leder! Aber ein tolles Auto, nein - ein toller Traum! über 70.000,- DM sollte er kosten. Unerreichbar für mich und so träumte ich weiter.1994 oder 1995 beim Citroën Autohaus "Auto und Sport" in Braunschweig. Ein XM-Traum in silber, V6 und Vollausstattung, vier Jahre jung, für 25.000,- DM. Soviel Geld würde ich in  Jahren nicht zusammenkriegen. Es war schon schade, mit Wehmut verabschiedete ich mich auch von diesem XM und fuhr nach Hause.

 
 

 

Nach dem GSpécial kam ein GSA Special und ein BX 16 TRI und ein BX 19 TRI Break und bei jedem XM, dem ich begegnete, vergaß ich Straße, Verkehr und alles um mich herum und meine Augen hingen wie ein Magnet am ihm. "Hast Du ihn geseh'n!? Geil!"  Unzählige Male musste Günter diesen Satz mit anhören…
2004 erlitt mein Break zweimal einen Auffahrunfall in parkendem Zustand. Der erste war noch reparabel, der zweite ein satter Totalschaden. Ich war dolle traurig. Ich hatte ihn noch nicht so lange und Günter hat zig Stunden und Rückenschmerzen investiert, um den Wagen auf Vordermann zu bringen.

Letztendlich fehlte doch nur noch ein einziges, letztes Ersatzteil und dann rums! - Unser  Nachbar war mit seinem Golf gelandet: in meinem BX! Ich hatte mich so auf das Auto gefreut und dann das. Und dann stand auch noch ein einwöchiges Seminar in Köln bevor. Da musste mein Kleiner herhalten. Mein Youngtimer und Zweitwagen, ein GSA DDR Pallas. Täglich 60 km zur Arbeit und noch mal 60 km zurück. Und dann kam da auch noch dieses Seminar. Ich habe nichts gegen Seminare, solange ich von dort aus abends wieder nach Hause fahren kann. Aber das Seminar war in Köln, rund 400km weit weg von zu Hause. Das geht nicht. Ich kann nicht weg von zu Hause. Es geht einfach nicht. Der Verstand handelt vernünftig, aber die Chemie in Kopf und Körper vermag er nicht zu beeinflussen. Schlaflosigkeit, Nulldiät und diverse körperliche Leiden treten mit Beginn der Reise auf und verschwinden, sobald ich den Heimweg antrete. Es ist, als wäre ich ein siamesischer Zwilling.

Zwei Personen in einem Körper. Aber das Seminar musste sein und ich musste für eine Woche  nach Köln. Mit meinem GSA. Wie damals, als der GSA noch mein Alltagsauto war. Schon einige Tage vor Beginn dieser Fahrt war mir mulmig und die Abneigung wegzufahren wuchs.
Günter war bei Ebay unterwegs und schaute sich nach einem neuen Auto für mich um. Er rief mich im Büro an und erzählte mir, dass er einen Xantia und einen XM gefunden und auf "beobachten" gelegt hat. Meine letzten beiden Alltagsautos waren BX. Also warum nicht deren Nachfolger nehmen - einen Xantia. War nicht mein Ding. Xantia. Ja, modern, recht neu. Bestimmt ein zuverlässiges Auto. Aber nicht mein Auto. Günter erzählte vom Xantia und las dann aus dem

 

Angebot des XMs vor:
Zitat: "… Citroën XM V6 24V Exclusive in Silber Metallic, Erstzulassung: 27.08.1999,
Modell 2000, Original, 63.000 km, 1. Hand, AU/TÜV: Oktober 2005, Scheckheft-gepflegt, 140KW/190PS, Ausstattung: vollautomatische Klimaanlage, Tempomat, Airbag Fahrer- und Beifahrerseite, Seitenairbags, elektrische Fensterheber vorne und hinten, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, Wegfahrsperre, Metallic-Lackierung, Leichtmetallfelgen, 5-Gang-Getriebe, Servolenkung, ABS, Hydractiv-Fahrwerk, Nebelscheinwerfer, Mittelarmlehne vorne elektrisch verstellbar,…"   "Was?," unterbrach ich Günter, "Du meinst die Vordersitze sind elektrisch verstellbar, nicht die Mittelarmlehne."    "Nee, nee!" entgegnete er mir. "Dass die Frontsitze elektrisch verstellbar sind, steht ein bisschen weiter unten."   Ups!

 

 
   

Aber es ging noch weiter: "…Bordcomputer, Außentemperaturanzeige, Original-Radioanlage mit CD-Wechsler und Lenkradbedienung, Freisprecheinrichtung, abnehmbare Anhängerkupplung, Leder/Alcantara Polster, Sitzheizung vorne und hinten, elektrisch verstellbare Vordersitze, Color-Verglasung, Trennscheibe zwischen Fahrgast- und Laderaum, Kopfstützen hinten, ein Satz Winterreifen mit Stahlfelgen, ein Fahrzeug mit einer absolut kompletten, sehr komfortablen und noblen Ausstattung, in einem sehr gut gepflegten (Nichtraucherfahrzeug) Zustand. Der Höchstbietende bekommt 1 Jahr europaweite Gebrauchtwagen-Garantie dazu. Das Fahrzeug muss abgeholt und in bar bezahlt werden. Sie kaufen dieses Fahrzeug vom Citroën-Vertragshändler. Und bekommen einen ordentlichen Kaufvertrag sowie eine Rechnung. … Dieses Fahrzeug wurde vom Chef des Citroën Autohauses von Anfang an selbst gefahren und dann, als dieser in den wohlverdienten Ruhestand ging, von ihm übernommen, deswegen befinden sich im Fahrzeugbrief zwei Einträge, aber das Fahrzeug ist aus Erstbesitz!" Zitat Ende. Ein XM und ein Angebot in Perfektion!

Das Angebot war gerade erst bei Ebay eingestellt worden. Es begann bei einem Euro und dauerte 10 Tage. Na ja, Blödsinn. Belassen wir's beim Traum. Der wird so teuer werden und dann der Unerhalt; Steuern, Versicherung und der Sprit für monatlich rund 2.600 km müssen erst mal aufgebraucht werden. Bei einer 3-Liter Maschine mit 190 PS wird das nicht wenig sein. Doch Günter stellte es so dar: "Du kannst es Dir ruhig gönnen bequem zu fahren. Das ist
ein SUPER-Auto! Okay, lass ihn ein wenig mehr kosten als den BX, im Unterhalt meine ich. Aber letztendlich fahren wir nicht in Urlaub und wenn es geht, dann leiste es Dir doch! Wenn er wirklich zu teuer wird, kannst Du ihn ja wieder verkaufen. Ich würde da nicht lange zögern, aber überleg's Dir. Du musst das entscheiden."  

Natürlich würde ich gerne auf den XM bieten, aber es ist doch so unvorstellbar. Ich und ein XM! Wahrscheinlich wird er so teuer, dass mein Erspartes eh nicht ausreichen würde. Und außerdem stand mir eine Woche Köln bevor. In Köln bekam ich die ganze Woche keinen Bissen herunter, zum Einschlafen half ich mit einem Glas Rotwein nach und immer wieder dachte ich an den Xantia und den XM. Der Xantia wäre sicher die vernünftigere Alternative. Die Vorstellung, den Xantia zu besitzen, wurde aber von einer Art Enttäuschung und dem Argument, dass der XM insgesamt eine Nummer zu groß für mich ist, begleitet. Wehmütig dachte ich wieder an den XM. Und dann verwarf ich den Gedanken wieder.

Freitag am frühen Abend war ich zurück. Ausgehungert und überglücklich wieder zu Hause zu sein, kam ich zu Günter ins heimische Büro und er hatte das XM-Angebot offen.

"Und?" fragte ich. Günter: "Dauert nicht mehr lange, ein paar Minuten noch."
Bin ich bescheuert? Wozu horte ich jahrelang die Kohle? Lebe ich jetzt oder in erst 30 Jahren? Darf ich nicht auch mal einen Fehler machen? Darf nicht einmal mehr großkotzig sein und ein dickes, fettes, teures Auto fahren? No risk, no fun! Ich ließ Tasche und Jacke in die Zimmerecke gleiten, griff meine Kontoauszüge und diktierte Günter, er möge bitte 10.999,00 Euro bieten. Klick! Das war's. Wir aktualisierten die Seite nicht, sondern spekulierten darüber, wie teuer er geworden sein könnte. 1995 kostete der 4-jährige XM in Vollausstattung 25.000,00 DM. Umgerechnet in Euro wären das ca. 12.500,00 €. Und bei diesem besonderen Angebot stellten wir uns vor, dass er durchaus mehr bringen würde.

Es war lustig mitzubieten. Wie Lotto spielen eben. Irgendwann drückte Günter F5. Ich hatte den Computer im Rücken und nahm nur dieses besondere Lächeln von Günter wahr. "Meinen Glückwunsch!" sagte er leise. "Ja, ja schon gut." grinste ich zurück und drehte mich zum Bildschirm. Herzlichen Glückwunsch, Sie haben den Artikel" erworben."

Hahhh! Nein! So'n Quatsch, das geht doch gar nicht! Oh mein Gott! Die Tatsache, dass ich niemals einen XM besitzen werde, hatte sich mit einem Mausklick um 180° gedreht. Mein Traum ist wahr geworden. Kaufpreis: 10.350.,00 €

 
 
Günter hatte sich mit meiner Kennung bei Ebay eingeloggt. Hatte er eine Vorahnung? Er konnte nicht wissen, wie ich mich entscheide. Er hatte auch im Vorfeld schon mit dem Chef vom Autohaus telefoniert und sich über das Auto genauer unterhalten und wie man die Abholung vornehmen könne, im Falle eines Kaufs. "Wenn Du ihn nicht genommen hättest, hätte ich ihn gekauft!" sagte er noch. Ich hatte einen XM. Und es dauerte lange, bis das wirklich geschluckt hatte! Ein ewig währender Traum war zu Ende. Jetzt aber aufwachen! XM abholen!

Am 18.10.2003 düsten wir mit Günter's damaligem CX 25 GTI Turbo 2 nach Süddeutschland zum Autohaus. Zuvor hatte ich eine Anzahlung überwiesen, den Rest des Geldes hatte ich bar mitgenommen. Wie im Angebot beschrieben, bekam ich die Rechnung und Garantieunterlagen und der Erhalt des Geldes wurde  Dann gings vom Büro quittiert. Der Mann ist übrigens ACCM!  In die Halle… Meine Güte! Da stand er. Strahlend, souverän, imponierend und gelassen. Wie ein Turnierpferd, das gespannt seinen neuen Reiter erwartete. Es kam mir wie im Film in der Zeitlupe vor, als ich völlig baff und noch nicht richtig begreifend, dass er mir gehören sollte, um diese riesige Karosse schlich und den Fahrgastraum erst lange von außen betrachtete, bevor ich dann endlich zögerlich einstieg. Es war so überwältigend, diese vielen LEDs und Tasten. Diese Größe. Ein Lederlenkrad. Rechts neben der Mittelkonsole fand ich die Handyhalterung der Freisprecheinrichtung.

Ich zückte mein Nokia und klackte es hinein. Wie bestellt! Das ist ein Traum. Alles hier ist ein Traum - auf vier Rädern und noch 4 Stück. für den Winter im Kofferraum. Außen wie innen stand er einem Neuwagen in nichts nach. Ich saß in meinem XM (Wie das klingt! Mein XM!). Dann mussten wir auch los. Doch bevor wir richtig starteten, bat ich darum, einmal um den Block zu fahren. Einmal testen, fahren, schalten, bremsen. Alles klar. Wir können. Aber
nicht so schnell! Wir einigten uns auf 160 km/h Höchstgeschwindigkeit. Doch kamen wir gar nicht so schnell los. Als ich so in meinem XM ;-) thronte, kam
plötzlich ein Mann auf mich zu und sprach mich an, ob das mein Auto sei und so. Mir war das erst nicht geheuer, doch  Günter gesellte sich dazu und stieg ins Gespräch ein. Der Herr stellte sich vor und erzählte, dass er gerade aus dem Urlaub kommt und seine Familie im Wagen (auch ein XM) säße. Zu Beginn seiner Reise hatte er das XM-Angebot bei Ebay gesehen und verfolgt und kam nun auf dem Rückweg hier vorbei, um zu sehen, ob der Wagen verkauft sei usw. Helmut heißt der gute Mann und wohnt sogar in unserer Gegend! Das sind Zufälle! Seitdem haben wir einen netten Citroën-Bekannten mehr, der uns auch schon einige Male auf unseren Sommertreffen und x-mas-Stammtischen besucht hat.

 
 


Dann ging's aber los. Als wir auf die Autobahn fuhren, hielten wir gleich wieder an, weil die Motorhaube am XM offen war. Stand natürlich auf dem Display - aber das kannte ich doch noch gar nicht. Also Motorhaube zu und dann aus dem Stand von 0 auf  100 - keine Ahnung wie schnell das ging, es gab keine Standspur und die Beschleunigungsspur war zu Ende, also musste es halt schnell geh'n und mit insgesamt 350 PS von CX und XM war das überhaupt kein Problem. Ich bin noch nie von meinem eigenen Auto in den Sitz gepresst worden. Irgendwo machten wir Rast und ich erklärte, dass wir dann gern auch schneller als 160km/h fahren können. Ich fuhr den XM als hätte ich nie ein anderes Auto gefahren. Wahnsinn! Mit erhöhtem Spiegel an Glückshormonen flogen wir nach Hause.

Und wo ist der Haken? Es gab und gibt keinen. Das Angebot und das Auto waren und sind genau so perfekt. Silber ist für mich keine Farbe für ein Auto und Leder mag ich auch nicht. Aber dieser XM gehört genau so, wie er ist. Anders kann ich ihn mir nicht vorstellen. "Gegen" das Leder habe ich Sitzfelle für die vorderen Sitze anfertigen lassen. Zu meinem Ebay-Limit hatte ich durch den günstigen Kaufpreis ja noch Spielraum. Obwohl die Federung völlig korrekt war, federte mein Dicker nicht so wie ich es von GS, CX und auch BX gewohnt war. Da konnte Günter helfen. Er schaute sich die Kugeln und Drücke an und passte alles etwas an und nun schwingt er auch. Nicht so wie GS oder CX aber er schwingt. Nach dem Zuschlag erhielt ich eine Mail von einem Mirko, den ich nicht kenne. Er schrieb: Zitat "Gratuliere zum XM! Habe die Auktion mit Spannung beobachtet, weil ich selbst so'n Auto habe. … Allzeit gute Fahrt!" Zitat Ende. Ich fand das so lieb und habe mich riesig gefreut! Wir mailten noch ein- zweimal hin und her - sehr nett!

 

 
 


Um die Gebrauchtwagengarantie zu erhalten musste ich die 80.000km-Inspektion in einer Werkstatt vornehmen lassen. Beim Abholen meines "silbernen Schwergewichts" (Zitat vom Mirko) blickte mich der Citroën-Meister etwas unglaubwürdig an und fragte: "Wo haben Sie denn DEN Wagen her? Das ist ja ein Neuwagen!" Wow, das ging runter wie LHM!

Und dann noch das:  Auf dem ACC Pfingsttreffen 2007 gewann ich bei der Tombola völlig überraschend das Navigationsgerät! Und natürlich wird es im XM eingebaut. Geil, oder?

Mittlerweile ist mein Dicker 8 Jahre alt. Ich habe ihn jetzt ziemlich genau 4 Jahre und rund 105.000km gefahren. Peu à Peu erhält jetzt ein wenig Edelstahl: Der Auspuff ab Kat ist schon gemacht (siehe Bericht im Rundbrief 6/2007). Edelstahl Einstiegsleisten bekam ich bzw. bekamen wir ;-) von Günter zum Geburtstag. Für die erblindenden Seitenzierleisten liegen die Edelstahlleisten parat. Pfingsten 2007 erlitt mein Dicker einen Hagelschaden, der inzwischen perfekt repariert ist. Auf dem ACC-Jahrestreffen 2007 entfernte Stefan Mellin die Dellen völlig spurlos auf sanfte Weise durch Herausziehen und -massieren.

So langsam träume ich den nächsten Traum - für meinen Dicken. Wenn sein Kilometerstand an die 200.000km geht, würde ich ihn gern in einer Garage unterstellen und ihn nur im Sommer fahren. Bei meinem ersten Auto, dem GSpécial, habe ich gesagt, dass ich den zum Oldtimer machen
würde. 13 Monate später habe ich einem Jetta die Vorfahrt genommen, was für beide Wagen schlecht ausgegangen ist. Solche Prognosen wage ich seit dem nicht mehr. Aber träumen ist doch wohl erlaubt!

 

Text und Bilder: ACCM Gabi Okner

Einleitung: ACCM Tim Helmes