XM - Fahrer & ihre Autos

 

Wie sagten die alter Römer? Alea iacta est = Die Würfel sind gefallen – diesmal an

Wolfgang Biermann.

An einem schönen, sonnigen und fast schon heißen Nachmittag im Juli traf ich mich mit dem Mitglied der XM-IG aus Mönchengladbach in einem gemütlichen Gasthaus nahe dem  dortigen Flughafen. Wolfgang ist seit der Gründung der IG vor etwas mehr als einen Jahr dabei.

 

 
   
 

 

Neben einem XM nennt er noch zwei weitere Autos mit Doppelwinkel sein Eigen. Aber der Reihe nach.

Seit jetzt 31 Jahren fährt Wolfgang schon Citroen. Nach zwei Krabbeltieren aus Wolfsburg (`54er und `63er Modell) hat die „Infektion“ im Jahr 1975 mit einem nagelneuen GS X angefangen. Der blieb aber nicht lange da, denn im Jahr darauf gab er ihn an seine Schwägerin ab, um sich einen neuen GS Pallas zuzulegen. Der wurde aber dann länger gefahren.

 

 „Ungefähr 1983 muss es gewesen sein, als ich mir einen neuen GSA gekauft habe“ erzählt Wolfgang „und zwei Jahre später kam dann noch ein gebrauchter GSA hinzu“.

 

Dann aber endete die Zeit mit GS/GSA: „Den ersten GSA habe ich 1989 in Zahlung gegeben, als ich einen gebrauchten BX 19 TRI  kaufte, der erst zehn Jahre später von einem neuen Saxo abgelöst wurde. Dies ist einer der bereits erwähnten Fahrzeuge in Wolfgangs Fuhrpark.

In der Zwischenzeit aber, etwa ab November 1990, bekam der BX Gesellschaft in Gestalt des ersten XM, eines 2.0i Tecnic Automatik Baujahr 1990. Das war also einer der ersten XM überhaupt mit gerade mal 5.500 Kilometern auf der Uhr, also praktisch neu“. Er verdrängte auch den zweiten GSA. Der XM lief und lief, bis ihn 2002 ein Getriebeschaden bei ca. 180.000 km ereilte – das vermeintliche Aus.

 

Aber manchmal hat man doch Glück. „Ein Bekannter hatte einen identischen 2.0 Liter XM aufgetrieben - mit Motorschaden, aber wenig gelaufenem Austauschgetriebe. So fand dann eine „Organtransplantation“ statt. Wolfgang freut sich: „Von zwei defekten XM hat auf diese Weise zumindest einer überlebt.“ Und das war wie am ersten Tag. „Dann habe ich ihn aber doch schon ein Jahr später zugunsten eines wunderschönen Y4 endgültig abgegeben, aber  weil sein neuer Eigentümer auch in Mönchengladbach wohnt, behielt er sein Kennzeichen ‚MG-XM 118’. Ab und zu kreuzen sich unsere Wege noch, und der Zweiliter erfreut sich auch nach jetzt schon 16 Jahren noch bester Gesundheit“

 

 
   

Im Jahre 2003 hielt dann also der zweite XM Einzug. Ein Y4 von 1995, also hier auch wieder einer der Ersten der zweiten Serie, nun aber mit dem 167 PS starken 3.0 Liter V6 in Exklusiv-Ausstattung und ebenfalls mit Automatik. „Der Preis war günstig“ gesteht Wolfgang „denn auch an diesem Wagen krankte das Getriebe. Ich habe es dann bei HMK Getriebetechnik in Aachen instandsetzen lassen“ Bis heute hat es keine Probleme mehr bereitet.

 
   

 
 

 

Bleibt die Frage nach Nummer Drei in Wolfgangs Fuhrpark. Sein Traumauto war immer

 - wie könnte es auch anders sein – eine DS. Jedoch ist ihm der „Anschaffungswiderstand“ (Biermann) damals wie heute zu hoch. Aber auch hier war wieder Glück im Spiel.

 

Ein GSA ist zwar keine DS, aber der eingefleischte Fahrer von GS und GSA entdeckte 2000 einen GSA Spécial Break von 1982 mit lächerlichen 21.000 km auf der Uhr und in hervorragendem Zustand. „Den musste ich einfach haben, schon wegen meiner guten Zeit mit diesen zu Unrecht fast vergessenen Autos, die die kleine Klasse mit Hydropneumatik waren. Nun nähert er sich den 40.000 km, aber das dauert wohl noch etwas, weil ihm die

beiden Kollegen die Alltagsarbeit abnehmen. Aber er muß auch schon mal ran, wenn sein wirklich üppiges Ladevolumen gefragt ist. Ich habe alle Autos von Anfang an gepflegt und als passionierter Hobbyschrauber versucht, sie immer technisch in Ordnung zu halten. Sie haben es mir mit langer Lebensdauer gedankt. Es gab keine großen Schäden.“ berichtet Wolfgang. „So gibt es in dieser Hinsicht auch keine besonderen Geschichten zu erzählen. Alle Wagen taten brav ihre Dienste und bisher ist keiner sonderlich aus dem Rahmen gefallen.“

Da kann man nur wünschen, dass es auch so bleibt.

 

 
 

 

Wenn der 62-jährige von den beiden XM redet, gerät er regelrecht ins Schwärmen. „der Zweiliter war schon rundum gut ausgestattet aber der V6 lässt kaum noch Wünsche offen.“ Auch beim Thema Verbrauch kommt Wolfgang aus dem Staunen nicht heraus:

„Der Dreiliter verbraucht praktisch das Gleiche wie der Zweiliter. Das liegt vermutlich daran, dass der relativ kleine Motor sich anstrengen muss, um den schweren Wagen in Fahrt zu bringen, während die größere Maschine keine Mühe  hat, die gleiche Leistung schon im Teillastbereich abzuliefern.“ Und dann setzt er schmunzelnd hinzu „Unter dem Strich gleicht sich das dann wieder aus; die Physik hat halt feste Regeln.“

 

„Ich bin rundum zufrieden“ – und das nicht nur auf den XM bezogen. Schon seit 1975 ist kein Auto einer anderen Marke ins Haus gekommen. „Das Design der früheren Citroen-Modelle ist wunderschön, einfach zeitlos modern. Ich denke dabei an DS, SM, CX und eben auch an GS und GSA und – last not least  - an unser Pflegekind XM. Sie waren und sind die markanten Gesichter in der Menge“.

 

 
 

 

Neuen Modellen steht der verheiratete Niederrheiner sowieso skeptisch gegenüber. Wolfgang: „Ich kann es mir gut leisten, alte Autos zu fahren, schließlich bin ich selber ja auch schon ein altes Modell“.

 

Als Wolfgang einen Bekannten, seines Zeichens eingefleischter Mercedes-Fan, mal im Y4 kutschierte, meinte dieser ‚sieht ja aus wie eine Luxuslimousine’. Darauf antwortete Wolfgang trocken: ‚Kunststück – das ist eine!’

 

 
 

 

„Nach der Fahrt gab der Bekannte dann zu, dass keiner seiner Mercedes da hätte mithalten können.“ freut sich Wolfgang heute noch. Als Beamter im Dienst der Stadt Mönchengladbach hat er seine Brötchen verdient und knapp 30 Jahre lang Großrechnersoftware „gestrickt“. Mittlerweile ist er im Ruhestand.

Aber es sind nicht nur die Autos mit dem Doppelwinkel, die Wolfgang seit je her begeistern: „Nur Fliegen ist schöner als Citroen zu fahren“ lacht er.

Der Hintergrund sind 22 Jahre  im Cockpit. „Von 1981 an habe  ich als Hobbypilot mit  einmotorigen Flugzeugen die Luft unsicher gemacht“ berichtet Wolfgang. „Ende 2003 habe ich das dann aber aus gesundheitlichen Gründen und weil es mir auch irgendwie nicht mehr wichtig war, an den Nagel gehängt“.

Aber auch auf dem Flugplatz gab es Citroen-Spuren. „Im Fliegerclub gibt es ein französisches Flugzeug vom Typ Robin DR 253 B „Regent“, mit dem ich viele Stunden herumgeflogen bin.  Seine Türschlösser und –griffe sind die des 2 CV“.   

 

 
   

Zusammengefasst bringt Wolfgang seine Citroen-Karriere kurz aber dafür umso deutlicher auf den Punkt: „Ich bin die ganze Zeit recht preiswert und komfortabel gefahren – Citroen toujours (forever)!“ Hätten das die alten Römer gewusst, hätten sie bestimmt erst einige hundert Jahre später Gallien erschwebt. Bequemer als zu Fuß oder Huf wäre es mit Sicherheit gewesen. So aber werden die Würfel weiter fallen – die haben eben immer schon gesponnen, die Römer!  

 

 

Text und Bilder: Tim Helmes, Juli 2006

 

weitere Bilder von Wolfgang sind in der XM-IG Fotogalerie