Sonntag, der Dreizehnte - Oder was sich vieles Gutes in einen Auffahrunfall verbarg
 

Der letzte Urlaubstag, nach einem Verwandtschaftsbesuch befand ich mich mit meiner Mutter auf dem Rückweg. Auf der Bahnhofstrasse in Voerde befand ich mich auf der Rechtsabbiegespur zur B8 nach Dinslaken. Aufgrund der bekannten Gefahrenstelle rollte ich langsam mit meinem XM auf die Rechtsabbiegespur und beobachte den fahrenden Peugeot 207 vor der Ampel auf der B8. Aufgrund des für mich nicht klar absehbaren Verhalten des Fahrers (verzögern oder beschleunigen), entschied ich mich für das Anhalten. Nach dem es für mich ersichtlich war, dass der 207 hielt, wollte ich losfahren, doch es machte nur kurz "Rums" und ein Blick in den Rückspiegel brachte Klarheit.

Eine junge Frau hatte die Situation so eingeschätzt, dass ich nicht anhalte und hatte Ihre A-Klasse beschleunigt. Nun saß sie mit ihrem Pkw auf der AHK des XMs und fing an sich unter Tränen zu entschuldigen. „Keine Panik“ sagte ich „Es ist kein Personenschaden entstanden, rufen wir die Polizei“. Gesagt, getan. irgendwann kamen die Jungs in Grün und nahmen sich der klaren Sache an. Der Papierkram erfolgte und dann kam für mich als XM-Frischling auch noch eine Lernstunde. Der Abschleppdienst über den ADAC wurde gerufen, aufgrund erfolgloser Trennungsversuche der Fahrzeuge. Der Mann vom Abschleppdienst war in Sachen Citroen- Pkw erfahren und fragte ob dies ein Fahrzeug mit "Hydraulik" wäre. Ich bejahte und die klare Anweisung erfolgte:
„Beim XM die Handbremse betätigen, Fahrwerkseinstellung auf ‚Parken’ - tiefste Position und Motor starten“.

Meinen "Reisegleiter" senkte sich Richtung Asphalt, dabei knirschte es hinten an der Heckschürze und es entstanden fiese Schrammen im Lack. Im Sinken des XMs wurde die A-Klasse aufgebockt, damit diese sich von der AHK löste. Endlich trennten sich die Fahrzeuge und waren auch Fahrbereit.
Okay, in der abgesenkten Fahrwerksposition soll ich nicht fahren, also die Fahrwerksstellung wieder auf ‚Mitte’ gestellt und wartete darauf das mein Reisegleiter sich hebt. Es tat sich nichts, in den ersten Sekunden! Wurde schon unruhig, der Abschleppdienstfahrer meinte: „Das dauert ein wenig“.
Nach gefühlten fünf Minuten (es waren aber deutlich weniger), hob mein Schmuckstück seinen Po und dann die Schnauze . Dieses Szenario war ein Schauspiel für Leute die vorbeigingen und dafür stehen blieben.
Optisch beschädigt waren nur die AHK und die Heckschürze, was nicht sichtbar war, zeigte das Gutachten beim Citroen-Händler meines Vertrauens.

Die Unfallprozedur wurde abgeschlossen, alle relevanten Daten getauscht und ich konnte die Fahrt fortsetzen. Auf den Schock erstmal in eine Dönerbude den leeren Magen gefüllt und dann meine Mutter zu ihrer Wohnung gebracht. Dann die Heimreise angetreten und zu Hause für den ersten Arbeitstag alles vorbereitet. Verärgert war ich über diesen überflüssigen Urlaubsabschluss. Ich befürchtete viele unbeliebte Aufgaben (Werkstatt, Leihwagen, Telefonate).

Da ich beruflich mit dem ÖPNV pendele, stand mein XM zu Hause und wartete auf den Werkstatttermin. Zwei Tage später bekam ich von der gegnerischen KFZ Versicherung die wichtigen Daten, um dann mit dem Citroen-Autohaus Adolph einen Termin zu vereinbaren. Aufgrund meines Arbeitsweges und meiner Arbeitszeit vereinbarte ich den frühsten möglichsten Termin (7.30Uhr) für den Donnerstag. Die Ersatzwagenfrage war schnell geklärt, ich bekäme den Berlingo Kawa oder den C6 aufgrund der kurzfristigen Leihwagenorganisation.
 

                             C6!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
 

Bin ja bescheiden, fragte mich, ob mir der C6 zusteht. Machte innerlich einen Freudensprung. Da ich von Seiten Herrn Adolphs keine klare Auskunft über das Ersatzfahrzeug bekam, blieb ich erstmal ruhig und besann mich auf das Wesentliche.

An dem Donnerstagmorgen schwebte ich nach Mettmann um meinen Reisegleiter für die Reparatur abzugeben. Wartend stand ich einige Minuten auf dem Autohausgelände, bis Herr Adolph mit seinem C6 ankam. Herr Adolph begrüßte mich und schaute sich kurz die beschädigte Heckschürze mit der AHK von meinen XM an und zog eine mögliche Mitbeschädigung der AHK-Trägervorrichtung mit ein. Der Papierkram wurde geregelt und dann kam die Ersatzfahrzeugfrage. „Sie bekommen für Heute den C6, Herr Fritsche“ sagte Herr Adolph. Ich bedankte mich bei ihm und er erklärte mir kurz die wichtigsten Funktionen am Fahrzeug.
Ich saß dann im C6, ein Raumgefühl wie in einem Düsenjet?, Raumschiff? oder Sonstiges? Kam mir vor wie im Cockpit vom A380. Knöpfe, Schalter wo meine Augen nur schauten. Wow, dachte ich mir, wer braucht das alles? Das ist doch viel zu viel elektronischer Schnickschnack. Ich machte mich erstmal mit den existenziellen Funktionen und Schaltern vertraut, suchte die Lichtschalter, Warnblinkanlage und die Handbremse!!!!!!! Handbremse???? Gibt es im C6 im klassischen Sinne nicht. Ist mittlerweile zu einer elektronischen Feststellbremse mutiert!!!! Nur ein Kippschalter!!!!!!
 

Noch mal einen großen, lieben Dank für das Vertrauen in meine Person für die Leihgabe des C6 an Herrn Adolph. Obwohl der Kundenkontakt zu diesem Zeitpunkt eine Woche jung war, erhielt ich den C6 als Leihgabe.
 

Mit Respekt und alle sieben Sinne aufs höchste sensibilisiert tastete ich mich mit dem mobilen Wohnzimmer vom Autohausgelände auf die Straßen von Mettmann. Manometer, alles geht von alleine, Abblendlicht an und aus, wie von Geisterhand. Weiter durch den Berufsverkehr Richtung A3 um zur Arbeit zu düsen. Erstmal beschleunigen, vorsichtig, aber der Diesel hat schon einen mächtigen Schub. Okay, erstmal mit dem ganzen Umfeld, der Umsicht durch die Außenspiegel vertraut machen. Die Abmaße einschätzen lernen um dann mal mit gesetzten Blinker die Spur zu wechseln und mal auf der Mittelspur, dann mal Links mit zu schwimmen. Je länger die Fahrt desto mehr wurde ich mit dem C6 vertraut. Ehrlich gesagt, habe ich Respekt vor dem C6, auch jetzt noch, dass ich in Dortmund mit weichen Knien und Beinen zur Arbeit ankam.
Abends nach Feierabend zurück nach Ratingen und noch einen Ausflug zum CentrO geplant. Die Freundin sollte noch in den Genuss kommen. Also machten wir uns dann auf die Reise. Die A3 war durch den Berufsverkehr gefüllt, höhere Geschwindigkeiten zu erkunden war nicht gegeben.

Am CentrO angekommen fuhr ich mit dem C6 ins Parkhaus. Noch aus Unerfahrenheit mit dem Parken bei solcher Fahrzeuggröße, entschied ich mich für das oberste Parkdeck. In der Hoffnung, dass dort wenig Fahrzeuge stehen und das Einparken in eine Parklücke vermeiden kann. Die Auffahrt zum obersten Parkdeck war gesperrt. Oh Mist, jetzt wird es kompliziert, da muss ich wohl durch mit dem Einparken. Also Parklücke gesucht und den Rückwärtsgang eingelegt. Ja, was ist das denn? Auf dem Funktionsdisplay zeigte sich eine Einparkhilfe und, Hey, was ist das, die Außenspiegel verstellen sich ohne mich zu fragen. Fett!!!!!!!!!! Echt cool. Das Einparken mit den Abstandssensoren ist mit dem C6 ja leichter als mit meinem XM!!!. Erleichtert steige ich aus dem Auto und verriegele dann die Türe. Hey, was macht der denn jetzt? Jetzt legt er die Ohren an (Außenspiegel), echt eine elektronische Wundertüte der C6.

Am CentrO auf der Gastromeile flaniert und durch die Shoppingmeile. Die Freundin und ich staunten, es hat sich viel verändert im CentrO seit unserem letzten Besuch vor ca. fünf Jahren. Noch einen kleinen Abschlussimbiss in einem Lokal auf der Gastromeile  und dann wurde die Heimfahrt angetreten. Vorher noch mal tanken, wenn ich schon so ein Schmuckstück für Gratis bewegen darf, dann mit abgeholter Tankfüllung zurück. Getankt, gestaunt. Was, für 180km 15l Diesel? Der säuft ja wie mein Mercedes Sprinter bei Fedex. Also das trübt doch ziemlich die gute Bilanz bisher.

Auf die A3 und ab der Fisch. Wollte doch mal sehen was Rudolph der Säufer so an Geschwindigkeit bietet. Zwischen Kreuz Kaiserberg und Breitscheider Kreuz bis 190 km/h beschleunigt. Weiter nicht, aus verantwortungsvollen Umgang mit dem C6 aufgehört. Die Straßenlage, mein lieber Scholli, ein Bügelbrett ist ja nichts dagegen. Eher wie auf einer Magnetschwebebahn, Wahnsinn was wurde das Hydractive Fahrwerk verfeinert. Ist deutlich härter abgestimmt im Vergleich zum XM. Meine Resonanz auf den C6, als Reisewagen 1.Wahl, kein Stadtauto und der Diesel V6 ist zu durstig.

Freitag Früh bei Citroen Adolph in Mettmann den C6 wieder abgegeben und mich noch mal bedankt für diese wunderbare Erfahrung. Dann waren Formalitäten für den Unfallschaden zu bearbeiten und den Leihwagen bis zum Abschluss der Reparatur zu übernehmen. Ich lernte erstmalig einen Dienstleister kennen, die sich auf die gesamte Abwicklung bei Fahrzeugunfällen spezialisiert haben. Halte ich für eine gute Sache, da es mir den Stress mit Gutachtern, Rechtsanwälten und der Kfz-Versicherung erspart hat.

Nun zum Leihwagen, es war ein C4! Na gut, dachte ich mir, fahren und früher kaufen wollte ich den sowieso. Eine gute Gelegenheit den C4 kennen zu lernen. Ich wurde in den C4 eingewiesen um mit dem Fahrzeug zur Arbeit zu fahren. Bin erstmal enttäuscht, schwach in Beschleunigung und nach meiner Wahrnehmung, klingt der C4  wie eine Blechdose. Späterer Blick in den Fahrzeugschein bestätigte meine Vermutung: Es war der 1.4l 16V mit 85 PS. Weitere Fahrten mit dem C4 ließen meine Vorstellungen ernüchtern. Das Fahrzeug war ordentlich ausgestattet mit Klimaanlage, CD-Radio und elektrischen Fensterhebern. Vielleicht wäre mein Eindruck zum C4 anders gewesen, wenn die Motorisierung besser zum hohen Leergewicht gepasst hätte. Das Fahrwerk sehr straff abgestimmt und ungewöhnlich für mich, die direkten, giftigen Bremsen.

Am Montagnachmittag erfolgte der Anruf von Herrn Adolph, dass mein XM fertig sei. Im Übergabegespräch erfuhr ich, das neben der AHK, die Heckschürze, auch die Trägervorrichtung für die AHK beschädigt waren. Das hatte zur Folge, dass der Unterboden in diesem Bereich mit "aufbereitet" wurde. Also ein wenig Rostvorsorge ist schon mal geleistet worden. Das ist das Effektivste am ganzen Unfall.

 

Rolf Fritsche, XM-IG, 12.09.09